BUCHTIPP ||| RANGA YOGESHWAR: „Nächste Ausfahrt Zukunft“

Prof. Dr. Kliewe schrieb an BRAIN.EVENTS: „Frau Birkenbihl ist leider schon vor einem Jahrzehnt von uns gegangen. Ich hatte für meine Arbeit immer wieder auf ihre fundierten Buchempfehlungen zurückgegriffen. In den letzten Jahren sind aber so viele Bücher zu Birkenbihls Themen erschienen, die nun kaum noch gewürdigt werden. Ich würde mich freuen, wenn Sie auf dieser Webseite versuchen könnten, diese Lücke zu schließen.“

Lieber Herr Professor: wir können und ich möchte das gerne übernehmen. Beginnen darf ich mit dem 2017 erschienenen Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ von Ranga Yogeshwar, der darin „Geschichten aus einer Welt im Wandel“ erzählt. Hierfür blickt er auf die digitale Revolution, Fortschritte in der Gentechnik oder die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz. Sie alle greifen auf fundamentale Weise in unser Leben ein. Ein aus meiner Sicht ebenso informatives wie unterhaltsames Buch. Yogeshwar beschreibt, wie wir derzeit eine epochale Umbruchphase durchleben, so wie einst, als das Mittelalter durch die Renaissance abgelöst wurde oder die Moderne das Bürgertum erschütterte. Doch oft betrachten wir das Neue mit alten Augen und verkennen, dass der Fortschritt uns selbst verändert.

Für Ranga Yogeshwar ist aber auch die eigene unmittelbare Erfahrung entscheidend. So berichtet er auf knapp 400 Seiten von seinen Besuchen in einem Klonlabor in Südkorea, einer Auswilderungsstation auf Sumatra, von unterirdischen Eishöhlen auf Spitzbergen oder den zerstörten Atomanlagen in Fukushima. Allerdings hat mich auch das Zitat von Pablo Picasso fasziniert, das Yogeshwar seinem Buch sozusagen als Geleitwort voranstellt:

Ich suche nicht – ich finde. Suchen – das ist das Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen. Finden – das ist das völlig Neue! /// Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer! /// Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen. /// Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhaft des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.*

In diesem Sinne Ihr Rainer W. Sauer


* = Picasso im Gespräch mit Samuel Beckett und Bram van Velde am 31. Oktober 1966 zitiert von Ranga Yogeshwar

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