VERA ||| Gibt es mehr als ein Leben?

Wir gehen davon aus, dass wir ein Leben haben, und mehr wissen wir nicht. Aber es gibt natürlich diverse Theorien, dass es davor und danach ebenfalls noch etwas geben könnte. Ob dem so ist, will ich an dieser Stelle völlig dahingestellt lassen. Jeder kann glauben, was er will. Die Frage, die ich mir gestellt habe, ist vielmehr: Ist es hilfreich – auch wenn wir von einem Leben ausgehen –, uns die Ziele anzuschauen, welche die Menschen haben, die davon  ausgehen, dass davor und/oder danach etwas war oder sein wird? Und ich habe festgestellt, dass diese Ziele uns in der Tat unerhört helfen können, auch wenn wir selbst davon ausgehen, dass mit unserem Tod alles endet. Daher komme ich zurück auf das Thema Nahtoderfahrungen (…). So beschreibt beispielsweise das Tibetanische Totenbuch(ein sehr altes  Dokument) sehr detailliert, was nach dem physischen Tod passiert.

Bis in die 1930er-Jahre hat unsere westliche Wissenschaft dies jedoch als „hirnverbrannten esoterischen Quatsch“ abgetan, weil die Anzahl der Scheintoten bei uns relativ gering war. Sie wissen vielleicht, dass man früher Glocken in die  Särge eingebaut hat, damit der „Nicht-Tote“ läuten kann, wenn er im Sarg aufwacht. Das kam auch hin und wieder vor, aber eben in so geringer Zahl, dass  es statistisch nicht signifikant war. Passierte es dann doch mal, hatten diese Menschen Wunderliches zu berichten: Sie beschreiben häufig eine „Lichtgestalt“, die ihnen begegnet ist, und von ihrem Leben, das an ihnen vorübergezogen ist. Sie erzählen, dass man bestimmte Situationen aus dem eigenen Leben aus der Position desjenigen erlebt, dem man damals Gutes wie Schlechtes angetan hat. Wenn Sie also einen Ehepartner haben, den Sie seit 27 Jahren ständig unterdrücken, den Sie nie zu Wort kommen lassen usw., dann erleben Sie 27 Jahre dessen Nicht-zu-Wort-Kommen.

Das Interessante ist, dass Sie in dem Moment, in dem Sie den Körper verlassen, sich außerhalb unserer Raum-Zeit bewegen.  Manche sagen, es könnten 10.000 Jahre gewesen sein oder aber 10 Sekunden – sie wissen es nicht (weil Zeit dort nicht mehr existiert). Es könnte dementsprechend sein, dass Sie Ihr Leben in demselben Tempo noch einmal erleben, wie es vorher verlaufen ist. Das heißt also, dass nicht der große Richter kommt, der die Guten von den Sündern trennt und entscheidet, wer in den Himmel und wer in die Hölle  kommt. Vielmehr wird übereinstimmend berichtet, dass man sich quasi selbst beurteilt, indem man es aus der Sicht des/der anderen erleidet. Dann versteht man ohne Worte, was gut und was schlecht gelaufen ist. Zudem sagen die Betreffenden übereinstimmend, dass die LICHTGESTALT die bedingungslose Liebe ist, die in keinster Weise richtet, verurteilt, lobt und so weiter.

Ausgehend von diesem Gedanken könnte man nun möglicherweise einen Fixstern ableiten. Bei mir war es meine Aggressivität, von der ich unerhörte Mengen mitbekommen habe. Doch heute kann ich – wenn ich merke, dass ich gerade wieder einmal jemanden anständig in die Pfanne hauen will – einen  Schritt zurücktreten. Ich frage mich dann: „Angenommen, ich würde es hinterher aus der Position meines Gegenübers erleben, würde ich das genießen? Wohl eher nicht!“ Und schon ist einiges von meinem Zorn verraucht. Das kann  uns enorm helfen. Denn selbst wenn wir glauben, dass es kein Danach gibt ist es günstiger, mit einem solchen Gedanken unser Verhalten zu beurteilen, als  nur unsere „Lattenzäune“ als Maßstab anzulegen. Denn unser „Lattenzaun“ sagt: „Haut dir einer auf die rechte Wange, dann tritt ihm in die Weichteile! Der wird dich nie wieder schlagen!“ Und nehmen wir einmal an, da wäre ein DANACH. Dann ist es zu spät, um zu sagen: „Scheiß Programm! Wie oft habe ich jemanden in die Weichteile getreten! Jetzt kommt der Erste auf mich zu und da sind noch 43.000 andere!“ Es  kann also schon aus rein egoistischen Gründen ratsam sein, ein bisschen altruistischer zu sein. Wäre da ein Richter in einer Robe, der entscheidet, ob ich in den Himmel oder die Hölle komme, wäre das noch schlimmer. Doch es  reicht schon, wenn ich das später im Grunde selbst entscheide und sagen muss: „Da bin ich ziemlich fies gewesen!“

Weltweit haben alle Menschen, die „zurückgekommen“ sind – unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung –, eine Botschaft: Es gibt eine Art von Übergang. Davor schwebt man ein bisschen an der Zimmerdecke und kann Details zum Beispiel von einer Operation und anderen lebensrettenden Maßnahmen erkennen (auch Menschen, die gar keine medizinischen Kenntnisse  haben). Blinde Menschen wissen zum Teil, welche Kleidung die Helfer haben, weil Behinderungen in diesem Zustand nicht mehr existieren. Dann kommt ein Übergang irgendeiner Art, ein Tunnel, eine Röhre. Annette KÜBLER-ROSS sagt, dass sie ein Alpenmensch sei. Bei Ihr war es dementsprechend eine Art Alpenweide. Anschließend begegnet man der LICHTGESTALT. Das Leben zieht an einem  vorüber, aber man erlebt es aus Sicht des/der anderen. Hier wird vielen klar, dass sie wieder zurück sollen beziehungsweise dürfen (was manche gar nicht wollen). Und nachdem sie wieder hier sind, haben sie alle die Angst vor dem Tod verloren. Aber auch ihre Einstellung hat sich dramatisch verändert –  gerade bei den kämpferischen Typen –, denn sie haben laut eigener Aussage verstanden, dass nur zwei Dinge zählen: erstens Liebe im Sinne der BEDINGUNGSLOSEN LIEBE und zweitens Wissen im Sinne von WISSEN UM DIE GRÖSSEREN ZUSAMMENHÄNGE.

Vera F. Birkenbihl, Odelzhausen

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