VERA ||| Antworten auf die Doppel-Frage: Glauben Sie eigentlich an Gott? / Wenn ja, wie sieht Ihr Gottesbild aus? (Teil 2/2)

Manche Fragesteller/innen möchten die eigene Vorstellung von Gott mit meiner vergleichen. Manchmal aber steckt hinter der Frage eine andere, die erst später im Gespräch auf-taucht, nämlich: Wie können Sie es wagen, (dieses) zu behaupten, wenn wirgenau wissen, dass Gott (das) von uns fordert? – Lesen Sie HIER den ersten Teil des Artikels!


(…) Jener allmächtige Schöpfungsgott, der (angeblich) ganz bestimmte Dinge von uns erwartet (wobei natürlich nur einige Menschen fähig sein sollen, uns diese Wünsche Gottes zu erläutern) … Wenn Gott so viel „mehr” ist, als ein Mensch, dann kann ihn kein Mensch je wirklich verstehen (genau so wenig, wie eine Henne einen Menschen verstehen könnte). Vielleichtheißt es eben deshalb: „Du sollst dir kein Bild machen, von Gott dem Herrn!” Wenn Gott aber „anders” ist, dann muss es legitim sein, wenn Menschen sich individuell bemühen, auf die einzig ihnen mögliche Weise ein wenig Verständnis zu entwickeln. Dann kann niemand uns sagen, seine Vorstellung sei besser(richtiger) als unsere. Diese Freiheit bedeutet jedoch auch, dass jede/r letztlich Ver-ANTWORT-ung trägt, mit welcher Vorstellung von Gott er der Welt ANTWORT-en will. Dann ist es legitim, Gott im Außen (z.B. in einem Dorn-busch) oder Gott im Inneren (Gott-in-dir; auch-du-bist-Gott) zu suchen. Dann kann es auch einen Gott geben, der als erster Verursacher schon vorher existierte…

Oder man kann sich einen Gott vorstellen, der sich mit dem Universum mit- und weiter entwickelt, also einen evolvierenden Gott. Mit diesem haben manche Menschen große Probleme, denn ein „fixierter” Gott (der immer gleich war und sein wird) wäre ein unveränderlicher Faktor im Sturm des ständigen Wandels, mit dem wir Menschen leben (müssen). Aber ein wahrhaft allmächtiger Gott hätte wohl kaum (typische menschliche) Ängste vor Veränderungen… Für mich ist nicht so sehr die Vorstellung ausschlaggebend, die jemand von Gott entwickelt, als die Art des Verhaltens, die sich aus diesem Gottesbild ergibt:

– Müssen Andersgläubige (vehement) abgelehnt und „verfolgt” werden? /// – Gibt es nur einen „richtigen” Glauben (den eigenen)? /// – Versucht man anderen den „richtigen” Glauben aufzuzwingen? /// – Inspiriert das Gottesbild zu Liebe (oder führt es zu Ängsten oder Intoleranz und Haß – im Namen Gottes)?

Wenn wir also davon ausgehen können, dass jedes Gottesbild dem verzweifelten Versuch eines „Hühnerhirns” gleicht, ein Wesen geistig zu erfassen, das so gigantisch ist, dass es für uns niemals erfassbar sein kann, dann fällt es uns vielleichtleichter, diverse Gottesbilder als Möglichkeiten zu sehen, über die man sehr wohl nachdenken (miteinander sprechen)kann. Sie kennen ja die alte Brahmanen-Story von den Blin-den, die einen Elefanten untersuchen wollen. Derjenige, der den Elefantenrüssel betastet sagt: „Aah, ein Elefant ist schlangenähnlich!”, während sein Kollege, der sich an einem Bein festklammert, energisch widerspricht: „Quatsch – Elefanten sind säulenartig!”, woraufhin der dritte seinen Teil-Eindruck für das Ganze hält usw. Wir wissen natürlich, dass es nicht darum gehen kann, wer im Recht ist, weil sie alle recht haben. So ist es m.E. auch mit Gott: Ich gehe davon aus, dass jede der großen (und kleineren) Religionen einzelne Aspekte „erfasst” hat, und ich halte es für einen gravierenden Fehler, diesen Teil-Aspekt als einzige klar definierbare „Natur” Gottes zu deklarieren, wobei es ganz besonders schlimm wird, wenn dieser Teil-Aspekt als Entschuldigung herhalten soll, wenn man Andersdenkende ablehnt, verfolgt oder gar tötet … Ganz besonders traurig finde ich dies angesichts der Tatsache, dass die Teil-Aspekte Gottes, die wir wahrhaben (im doppelten Wortsinn) können, von unseren Programmen und Lebenserwartungen (mit-)geprägt werden. Beispiel:

Wer in einem klassisch „protestantischen” (calvinistischen) Umfeld aufgewachsen ist, hat gelernt, dass alle Belohnungen erst im Paradies zu erwarten sind, denn dieses irdische Leben muss geprägt sein von Arbeit, Opfern, Mühsal und Enthaltsamkeit – oft bis zum totalen Verbot von Musik und Tanz (z.B. bei den Baptisten). Die typischen Prägungen unserer Erziehung schaffen Wahrnehmungs-Filter, durch welche jede Idee, wie Gott wohl „beschaffen” sein könnte, hindurch muss, weshalb es einerseits so unterschiedliche Gottesbilder auf dieser Welt gibt, während wir andererseits erstaunt feststellen, dass Menschenunterschiedlichster Kulturen zu sehr ähnlichen Ideen über Gott kommen können – so gibt es z.B. immense Überschneidungen hinsichtlich diverser Gedanken und Darstellungen (Mandalas) zwischen verschiedenen amerikanischen Indianerstämmen und Tibetern bzw. eine unglaubliche Übereinstimmung zwischen den „heiligen Klängen” der Tibeter(den Oberton-Gesängen) und dem heiligen „Gesang” desaustralischen Didgeridoo-Blasinstruments. Solche Ähnlichkeiten sind leicht nachvollziehbar, wenn wir davon ausgehen, dass es eine einzige gigantische „Kraft” gibt, die wir mit einem Minimal-Geist-System zu erfassen versuchen, und dass demzufolge ähnlich gelagerte „geister”-ähnliche Aspekte dieser Gotteskraft wahrnehmen werden!

Mein persönliches Gottesbild…

Für mich gab es eine ursprüngliche Kraft, die ich mir ähnlich wie ein Feld vorstelle, welche/s der Urgrund/Ursprung war, dem das gesamte Universum „entsprang”. Diese Vor-stellung ist unabhängig davon, ob unsere Welt eine bewusste Schöpfung darstellt oder ob Sie beiläufig „entstand”, während diese Kraft sich mit etwas anderem befasste, was unser Vorstellungsvermögen vollkommen übersteigt (so dass es für uns undenkbar ist).Aber diese Gotteskraft ist für mich auch eine Art Seele des Universums, die sich mit diesem entfaltet und somit (wie andere Lebewesen auch) eine ständige Weiter-Entwicklung erleben darf. Diese evolvierende Gotteskraft wäre heute komplexer als vor vier Milliarden oder vor 250 Millionen Jahren. Auch gefällt mir die Vorstellung, alles Geschaffene wurde von Gott geschaffen und muss demzufolge Teil haben an seiner göttlichen Natur.

Bei Leuten, die wir nicht leiden können, wird die christliche Nächstenliebe jedoch gern in Urlaub geschickt, denn solche Beispiele sind immer „etwas anderes”, „unpassend”, „falsche Analogien” und „über-haupt!” … Dann benehmen wir uns wie die Hühner und hacken auf alles los, was wir als Bedrohung empfinden …GaGaGaGaaaaa… Aber die Qualität eines Gottesbildes zeigt sich m.E. auch daran, ob es uns hilft, uns einander ein wenig anzunähern, denn für mich ist die bedingungslose LIEBE das zentralste Element der göttlichen Kraft – also genau das, was uns Menschen oft so schwerfällt.

Vera F. Birkenbihl, Odelzhausen

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