Wenn Sie einen neuen Bewegungsablauf lernen wollen, müssen Sie genaugenommen nicht „lernen“, sondern ÜBEN und TRAINIEREN. Dieser Lernprozeß verläuft ganz anders als das Lernen (von WISSEN). Zwar brauchen wir in beiden Fällen im Gehirn gut funktionierende NERVENBAHNen, und diese werden durch WIEDERHOLUNGEN aufgebaut, aber es gibt doch einen großen Unterschied zwischen dem Lernen von THEORIE (Daten, Fakten, Informationen – die man z.B. für Prüfungen benötigt) und HANDELN (Sport, Musik, Geschirrabwaschen, Zaubertricks…).
Stark vereinfacht können wir sagen: Bei WISSEN wird ein Teil der Wiederholungen vom Gehirn selbst vorgenommen, und zwar geschieht dies nachts (in der Tiefschlafphase), wenn die neuen Infos (als „upload“) vom Hippocampus in den Kortex „geladen“ werden, wie wir bei Manfred SPITZER (in: Geist im Netz) nachlesen können. Allerdings erklären Lernwissenschaftler den nächtlichen Transfer gern am Beispiel von VOKABELN. Ich meine, damit beschreiben sie jedoch leider eher PAUK-Vorgänge statt intelligentem Lernen, das ich seit Jahrzehnten fordere und als gehirn-gerechtes Vorgehen bezeichne. Vokabeln sind EINES von vielen guten Beispielen, um den Unterschied zwischen „dummem“ (ineffektivem) Lernen und „intelligentem“ Lernen aufzuzeigen.
Im Modul „Sprachen Lernen“ in „Stroh im Kopf?“ (47. Auflage) erläutere ich, warum bei meiner Sprachlern-Methode Vokabel-Pauken verboten ist. Stattdessen setzen wir auf intelligente Denkvorgänge (BEGREIFEN). NutznießerInnen meiner Methode beweisen seit 1985, daß BEGREIFEN eine Menge unnötiger Wiederholungen ersetzen kann: Wenige intelligente Wiederholungen bewirken dasselbe (= gehirn-gerechtes Lernen) wie viele dumme (PAUKEN), nur daß wir mit gehirn-gerechtem Vorgehen jede Menge Zeit und Frust sparen. Man muß davon ausgehen, daß durch das Begreifen derselbe Impuls ausgelöst wird, der die neuen Infos nachts vom Zwischenspeicher (Hippocampus) in den Langzeitspeicher (Kortex) überführt. Allerdings erhebt sich nun die Frage, ob man das TRAINING von Handlungen/Bewegungsabläufen durch gehirn-gerechtes Vorgehen auf ähnliche Weise intelligent verkürzen kann, um Zeit und Nerven zu sparen? Die Antwort lautet JEIN: NEIN insofern, als die Info ins KLEINHIRN eingespeichert werden muß, wo alle Abläufe „wohnen“, die AUTOMATISCH und ohne bewußtes Denken ablaufen sollen (Rückhand beim Tennis, Verlauf vieler Fingerbewegungen beim Klavierspiel, Handgriffe beim Reifenwechsel in der Box beim Autorennen oder Vorführen eines Zaubertricks etc.).
Da diese Abläufe nicht „zwischengespeichert“ werden können, um nachts „weiterzuwandern“, muß der Gehirn-Besitzer die vielen Wiederholungen durchführen, während er wach ist. Trotzdem können wir den Prozeß optimieren, also können wir auch sagen: JA. Meine jahrzehntelangen Versuche haben gezeigt: Wir können durchaus Zeit-Ersparnisse „einbauen“, wenn wir die Arbeitsweise des Gehirns respektieren, statt (wie in Schule und Ausbildung leider üblich) gegen sie „anzugehen“ und die unnötigen Anstrengungen, zu denen LernerInnen gezwungen werden, damit zu erklären, daß es halt schwer sei und man deswegen unentwegt üben müsse. Zwar geht es ohne Üben nicht, aber es geht mit weit weniger, als man uns weismachen will! Diesem Zweck dienen die 10 Regeln in diesem Modul. Sie wurden in Jahrzehnten entwickelt. Durch die Forschungen ab 2004 sind mehrere neue hinzugekommen, weshalb dieses Modul (anläßlich der 47. Auflage des Buches) massiv ÜBERARBEITET und teilweise NEU GESCHRIEBEN wurde.

