[Vera F. Birkenbihl, Odelzhausen 1997] ||| Beginnen wir mit der zweiten Frage: Der Volksmund weiß es schon lange, daß die, die angeben, „es nötig haben“, und zwar: je größer die „Angabe“, desto mehr. Nehmen Sie den Ausdruck beim Wort: Solche Menschen möchten „angeben“, wie groß (gut, tüchtig usw.) man sie einstufen soll eben weil sie Angst haben, man würde sie zu gering achten. Warum? Weil sie (oft ihr Leben lang) zuwenig Achtung von ihren Mitmenschen erfahren haben. Oft erhielten sie schon im Elternhaus ständig Signale („Du kannst das nicht! Dazu bist du zu blöd! Dein Bruder kann das besser …„), welche in der Schule durch krampfhaftes Gefallen-Wollen (Streß!) zu Denkblockaden führte, was wiederum mit viel Tadel (rot angestrichene Fehler) einherging. Vielleicht wurden sie auch von Schulkameraden gehänselt oder später von ihren Arbeitskollegen nie richtig „ernst genommen“. Im Klartext: Wer angibt, versucht sich durch Erzählungen oder durch Status-Sybmbole „größer“ zu machen, und zwar um so mehr, je „kleiner“ er sich vorkommt.
Warum sollte Sie so jemand verunsichern, wenn Sie den Zusammenhang einmal begriffen haben? Oder fühlen Sie selbst sich vielleicht von ihm gefährdet? Wenn ja, warum? Was uns zur ersten Frage bringt: Unsichere Menschen wurden von anderen zuviel kritisiert und zu wenig gelobt, vor allem in der Kindheit, als wir noch völlig abhängig von den „Großen“ waren, die ja totale Macht über uns hatten. Aber heute sind Sie kein Kind mehr! Heute können Sie solche Zusammenhänge begreifen und Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel:
1. Zeichnen Sie eine „Torte“ mit Linien, welche die „Tortenstücke“ darstellen. Beschriften Sie diese kleinen Abschnitte mit Stichworten, was Sie sehr gut, gut, weniger gut können. Wenn irgend möglich, sollten Sie anschließend mit einer/einigen Person/en Ihres Vertrauens sprechen, denn wer früher viel kritisiert wurde, schätzt sich in der Regel unrealistisch „klein“ ein. Begreifen Sie, daß nicht alle Menschen auf denselben Gebieten phänomenal sein müssen (das wäre auch langweilig). Vielleicht sind Sie kein brillanter Redner, aber dafür ein aufmerksamer Zuhöhrer (und somit eine echte Ausnahme, darauf können Sie stolz sein). Oder vielleicht liegen Ihnen Haushaltsarbeiten nicht so sehr, dafür können Sie aber hervorragend kochen (das erkennt man z.B. an der Fähigkeit, mit „Resten“ kreativ „zaubern“ zu können). Oder vielleicht sind Sie ein/e gute/r Beobachter/in usw.
2. Lernen Sie, sich nicht dauernd mit anderen zu vergleichen, denn wenn Sie sich mit Menschen vergleichen, deren Stärke Ihnen aufgefallen ist, sagt das absolut nichts über dessen andere „Tortenstückchen“ aus, oder?! Lernen Sie, sich selbst zum Maßstab für sich selbst zu machen. Fragen Sie sich regelmäßig: In welchen Bereichen möchte ich mich Schritt für Schritt verbessern? Was habe ich in der letzten Woche in bezug auf diesen Plan unternommen? Wo bin ich bereits besser als noch vor drei Monaten?
3. Arbeiten Sie immer an Ihrer Selbst-Verbesserung. Ob Sie ein Buch lesen oder einen Volkshochschulkurs besuchen, praktizieren Sie lebenslanges Lernen. Das ist nicht nur die beste Alzheimer-Prophylaxe und hält Ihr Gehirn in Schwung, es ist auch enorm gut für das Selbstwertgefühl. Denn, wenn Sie sich in punkto lebenslanges Lernen mit den meisten Menschen (und deren krampfhaftem Festhalten an Althergebrachtem) vergleichen, schneiden Sie immer ausgezeichnet ab. Garantiert!

